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Autor: Michael Rothenberg, Medizinredakteur
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 12. Februar 2020

Versagensängste sorgen für Erektionsprobleme

Versagensängste als psychisches Problem und Ursache einer erektilen Dysfunktion sind unter den Auslösern weit verbreitet. Eine gesunde Erektionsfähigkeit hängt enorm vom mentalen Zustand des Mannes ab. 

Damit es zur Erektion kommt, muss zunächst eine Stimulation stattfinden und das Lustempfinden aktiviert werden. Ohne sexuelle Lust, können die für die Erektion notwendigen Prozesse nicht stattfinden. Leiden Männer jedoch unter Versagensängsten, weicht die Lust auf Sex negativen Empfindungen wie Panik, Verzweiflung oder Wut.

Ja, denn für eine Erektion wird auch ein freier Kopf benötigt. Psychische Beschwerden wie Versagensängste führen zu mentalen Blockaden und bewirken unter Umständen eine Erektionsstörung. 

Versagensängste beruhen oft auf schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit und einem negativen, übermäßig kritischen Selbstbild.

Viele Männer haben über die Jahre ein Bild der jederzeit leistungsbereiten Männlichkeit verankert und fühlen sich dem damit einhergehenden Leistungsdruck nicht gewachsen.

Werden die Ängste nicht aufgelöst, kann eine Erektion mitunter vollkommen ausbleiben. Umso tiefer sich schlechte Erfahrung und negative Glaubensmuster einprägen, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, ein erfülltes Sexleben zu führen. 

Auch zu einer vorzeitigen Ejakulation kann eine Versagensangst führen.

Sind die Ursachen auf psychische Beschwerden zurückzuführen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Erektionsfähigkeit zurückkehrt, sobald diese nicht mehr bestehen. In jedem Fall begünstigt emotionale Stabilität eine Erektion.

Ein erster Schritt ist das Erkennen der Versagensängste und den negativen Glaubensmustern.

Anschließend können Betroffene beispielsweise mit Hilfe eines Therapeuten oder Vertrauenspersonen die Ängste besprechen und lernen, wie verlorenes Selbstbewusstsein zurückgewonnen werden kann.

Auch PDE-5-Hemmer (Potenzmittel) können dabei helfen die Angst zu überwinden und den Gedanken damit eine Last von den Schultern zu nehmen. Diese Medikamente bekämpfen allerdings nur die Symptome und nicht die Ursache. 

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Aaron Amat / shutterstock.com
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    Die entscheidende Frage zur Ursache der Versagensängste

    Dass es unter bestimmten Umständen einmal nicht zur Erektion kommt, hat wohl jeder Mann im Laufe seines Lebens schon einmal erlebt.

    Egal ob körperliche Beschwerden wie eine Erkältung oder der Alltagsstress, viele Faktoren können eine Erektion hin und wieder verhindern.

    Entscheidend ist, wie Männer mit diesen zunächst einmaligen Erlebnis umgehen. Nehmen sie es mit Gelassenheit, denn Sex einmal nicht ausführen zu können, bleibt es höchstwahrscheinlich bei einem einmaligen Zwischenfall.

    Ob Männer sich selbst ein vorübergehendes Versagen der Erektionsfähigkeit verzeihen, hängt besonders von ihren eigenen Verständnis über Männlichkeit ab.

    Besteht die Überzeugung, dass ein Mann ähnlich wie eine Maschine immer leistungsbereit sein muss, ist es schwierig eine ausbleibende Erektion hinzunehmen.

    Der extrem hohe Erwartungsdruck und das damit verbundene Bild der stets potenten Männlichkeit wird durch bestimmte Erfahrungen und Eindrücke geprägt.

    Dazu zählen beispielsweise:

    • Erzählungen im Freundeskreis

    • negative Kommentare von Sexualpartnern

    Leistungsdruck: Jederzeit bereit sein müssen

    Wer ein einmaliges Ausbleiben einer Erektion nicht als völlig normale menschliche Fehlbarkeit hinnehmen kann, läuft Gefahr seine Potenz einzubüßen.

    Grund dafür ist die erhöhte Selbstüberwachung und Anspannung vor dem nächsten Sex. Die Gedanken kreisen dann häufig nur um eine mögliche Wiederholung der negativen Ereignisse und dem dabei empfundenen Gefühl der Blamage.

    Versagensängste können nur dann entstehen, wenn ein gewisser Leistungsdruck vorausgegangen ist. Dieser ist häufig auf die Ansicht zurück zuführen, dass ein Mann gewisse Pflichten im Bett zu erfüllen hat.

    Gedanken, die Leistungsdruck aufbauen:

    • Ich muss eine gute Leistung zeigen

    • Ich muss jederzeit für Sex bereit sein

    • Ich muss möglichst lange durchhalten

    • Ich muss sehr männlich wirken

    Die große Angst: Nicht gut genug für Sex?

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    SuperStock 2018 / shutterstock.com

    Für zusätzliche emotionale Belastungen sorgen darüber hinaus negative Glaubensmuster, die im Kern beinhalten, dass der Mann nicht gut genug für Sex ist.

    Über einen längeren Zeitraum haben sich diese Ansichten verfestigt. Die Gesellschaft, ehemalige Partner oder auch die Familie können dafür sorgen, dass Männer zu der Überzeugung gelangen, nicht den nötigen Anforderungen zu entsprechen.

    Typische negative Glaubensmuster, die zur Versagensangst im Bett führen:

    • Ich bin zu alt für die erwartete Leistung

    • Ich bin nicht attraktiv genug

    • Ich habe kein Recht auf Sex

    • Die Erwartungen sind zu hoch

    Die meisten Betroffenen sind sich gar nicht bewusst, dass hinter ihrer Erektionsstörung eine innere Einstellung steht, welche die Erektion verhindert.

    Die Angst vor dem Sex kann neben Erektionsstörungen auch zu einer vorzeitigen Ejakulation führen.3 Dabei spielt auch Nervosität eine große Rolle.

    Versagensängste auf verschiedenen Ebenen auflösen

    Zum Glück lassen sich selbst tief verankerte Versagensängste mit etwas Beharrlichkeit auflösen.

    Wichtig ist zu erkennen, dass die Ursachen auf mehreren Ebenen beseitigt werden müssen. So gilt es das Selbstbewusstsein aufzubauen, negative Erfahrungen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu lernen, wie sich die Realität von der falschen Glaubensmustern unterscheidet.

    Männer neigen häufig dazu, ihre eigenen Ansichten als wahr anzunehmen, ohne sie zu prüfen. So werden den Partnerinnen häufig extrem hohe Erwartungen zugeschrieben, obwohl diese vielleicht längst nicht so kritisch sind wie gedacht. Um diese Missverständnisse aufzulösen, hilft schon ein offenes Gespräch.

    Vor allem aber sollten Männer, die unter Versagensängsten leiden, ihre eigene Fehlbarkeit akzeptieren. Ein menschlicher Körper darf nicht mit einer Maschine verwechselt werden. Sich selbst eine schlechte Performance verzeihen zu können ist wichtig, um in Zukunft nicht vom Gefühl des Versagens eingeholt zu werden. 

    Leider sind nicht alle Sexualpartner im Umgang mit einer ausbleibenden Erektion feinfühlig genug. Unvorsichtige Kommentare sind für die Betroffenen schwer zu ertragen. Deshalb ist ein gutes Selbstbewusstsein unabdingbar, um solche Kommentare abprallen zu lassen.

    Je besser Männer in der Lage sind, falsche Bilder über die Männlichkeit von der Realität zu unterscheiden, desto weniger müssen sie sich vor Versagensängsten fürchten.

    Versagensängste mental bewältigen

    Perfektionismus ablegen

    Ein durch die Pornografie oder Erzählungen im Freundeskreis falsch vermittelndes Bild, sorgt regelrecht für den glauben an einen Perfektionismus.

    Eine dauerhafte harte Erektion, multiple Orgasmen, das perfekte Tempo, die besten Stellungen und stets gut dabei aussehen?

    Dass ist ganz klar ein falsches Bild des Perfektionismus. Nichts davon entspricht einem regelmäßigen, normalen Geschlechtsverkehr. Diese unrealistische Erwartungen sollten als aller erstes abgelegt werden. 

    Konzentration lenken

    Der ständige Gedanke darüber, was alles falsch gemacht werden kann, führt zu unnötigen Ängsten. Die Konzentration dabei sollte auf andere Sinne gelegt werden.

    Anstatt bei der sexuellen Aktivität ständig das Ereignis zu analysieren, sollten die Gedanken auf sensorische Erlebnisse gelegt werden. 

    Dabei ist es ratsam die Gedanken darauf zu legen was die Hände fühlen oder die Augen sehen. Der Einsatz von Duftkerzen oder einer romantischen Stimmung kann ebenfalls für mehr sensorischen Erfahrungen beitragen. 

    PDE-5-Hemmer als Überbrückung der Angst

    Die Einnahme von Potenzmittel wie z.B. Sildenafil (Viagra) kann eine Angst überwinden. Auch wenn diese Medikamente nur körperlich wirken, kann betroffenen damit eine gewisse Angst genommen werden. Schon ein einmaliges Erfolgserlebnis kann negative Erfahrungen der Vergangenheit abschwächen. PDE-5-Hemmer allein reichen jedoch nicht aus, um tief verankerte Ängste langfristig zu beseitigen.

    Versagensangst mit Kommunkation überwinden

    Medikamente welche die Erektion fördern, sollten allerdings bestenfalls ergänzend eingesetzt werden. Denn damit werden nur die Symptome, aber nicht wirklich die Ursachen der Ängste bekämpft.

    Durch die offene Kommunikation wird einen große Last von der Schulter genommen. In manchen Fällen kann es sogar genügen, einmalig über das Problem gesprochen zu haben. Ist die Würde erst mal überwunden, kann das Problem oft sehr gezielt angegangen werden und die Ängste somit genommen werden.

    Effektive kommunikative Behandlungsmethoden sind:

    Zusammenfassung: Was steckt hinter Versagensängste?

    Hinter Versagensängsten steckt oftmals mehr, als die Betroffenen ahnen. Viele Einflussfaktoren sorgen über einen langen Zeitraum hinweg für tief verankerte Glaubensmuster, welche das Sexualleben negativ beeinflussen.

    Es ist nicht einfach, die Ursachen von Versagensängsten zu erkennen, da sie komplex sind und sich je nach Person und deren individuellen Erfahrungen unterscheiden. Auch wenn die Selbstanalyse nicht leicht ist, können Männer mit der Zeit lernen, eine gute Gedankenhygiene zu betreiben.

    Gespräche mit Therapeuten oder Vertrauenspersonen und ein gelegentlicher Einsatz von PDE-5-Hemmer können bei der Behandlung überaus hilfreich sein.

    1. Impotenz / Erektile Dysfunktion –  Dr. Norbert Preetz
    2. Was ist psychologisch an Impotenz so tückisch? – NDR.de
    3. The impact of ejaculatory dysfunction upon the sufferer and his partner - Transl Androl Urol. 2016 Aug; 5(4): 460–469 - Carmita Helena Najjar Abdo Department and Institute of Psychiatry, Program of Studies in Sexuality (ProSex), Medical School, University of São Paulo (FMUSP), São Paulo, Brazil – doi.org

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