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Autor: Kerstin Voigt, Medizinredakteurin
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 15. April 2020

Nervenbedingte Erektionsstörungen

Im Bereich der Körperfunktionen gehört die Erektion des Mannes mit Sicherheit zu einer der komplexesten überhaupt. Damit ein Mann eine Erektion bekommen kann, wirken unterschiedliche Mechanismen gemeinsam in Kombination. Wie bei allen Prozessen im Körper, die von Reizen abhängig sind, spielen auch bei der Erektion neuronale Zentren und Nerven eine wichtige Rolle. Eine erektile Dysfunktion lässt sich daher oft auf Störungen der neuronalen Zentren beziehungsweise der Nerven zurückführen.

nervenerkrankungen
Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com
Übersicht:
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    Die Erektion – Die neurologische Basis

    Um das Phänomen der erektilen Dysfunktion besser verstehen zu können, muss die bekannt sein, an welcher Stelle die Weiterleitung der entsprechenden Signale auf welche Art stattfindet. Wie wird die Erektion reguliert und gesteuert, damit sie ihren Zweck erfüllen kann? Hier laufen auch heute noch viele Forschungen, um das Problem der erektilen Dysfunktion in Zukunft vollständig heilen zu können.

    Das Gehirn spielt eine wichtige Rolle

    Im Gehirn sind verschiedene Zentren zu finden, welche bei einer Erektion involviert sind. Dazu zählen die Steuerungs- und Befehlszentren, damit das Glied sich funktionsfähig versteifen kann und das Zentrum, in dem die sexuelle Erregung ausgelöst wird. Die Abschnitte des Gehirns, die hier zu nennen sind, sind vor allem:

    • Der Thalamus

    • spezielle Abschnitte des Hypothalamus

    • Das limbische System

    Auf der einen Seite müssen die entsprechenden Reize in Form von richtigen Signalen an das Gehirn weitergegeben werden. Dort findet dann eine Bewertung statt. Auf der anderen Seite muss der Austausch der Signale auch zwischen dem Penis und dem Gehirn ohne Störungen funktionieren, damit die Erektion entstehen kann.

    Wenn der sexuelle Reiz beispielsweise nicht angemessen bewertet werden kann, können auch die körperlichen Vorkehrungen für den anstehenden Geschlechtsverkehr nicht getroffen werden. Kommt es zu Störungen bei der Weiterleitung des Reizes über die Sinnesorgane, zum Gehirn und dann zum Penis, treten Erektionsstörungen auf.

    Das vegetative Nervensystem des Rückenmarks

    Komplex gestaltet sind auch die Bahnen für die Signale im Rückenmark. Hier arbeiten selbststeuernde, also autonome Komponenten und willkürliche Teile sowohl getrennt von einander als auch in Kombination. 8

    Am Übergang zwischen der Lendenwirbelsäule und der Brustwirbelsäule befindet sich eines der sexuellen Zentren im Rückenmark. Dort wird die psychogene Erektion vermittelt, also die, die durch Gerüche, optische Reize, Emotionen und Fantasie ausgelöst wird. Über dem Kreuzbein treten die beteiligten Stränge aus dem Rückenmark. Das gleiche gilt für die Region des Kreuzbein-Steißbeins, welche am unteren Teil der Wirbelsäule sitzt.

    Das zweite Erektionszentrum liegt in der Region des Kreuzbeins. Dieses sorgt für Erektionen, wenn der Penis stimuliert wird. Die Nerven die dafür zuständig sind, treten aus dem Rückenmarkt und kommen mit anderen Nervenbahnen aus dem Bauchraum zusammen.

    In die Erektion sind also viele Bereiche des unteren Rückens einbezogen, wobei jede von ihnen verschiedene Aufgaben übernimmt. Auch die so ausgelösten Erektionen unterscheiden sich voneinander, denn die psychogene Erektion ist länger als die reflexive, dafür ist die reflexive Erektion steifer.

    Die Weitergabe von Signalen zwischen Nerven und Penis

    Gemeinsam mit den Strängen von abgelegenen Nervenknoten, den peripheren Ganglien, schließen sich die Nerven des Rückenmarks zusammen und werden im Geflecht aus Nerven im Bereich des Beckens vereint. Dort bilden sich die Nerven der Schwellkörper, deren Verlauf an der Prostata vorbeigeht und dann in den Schwamm- und Schwellkörpern endet.


    Die Vorgänge in den Gefäßen, die zur Erschlaffung und zur Erektion führen, werden von diesen Nerven gesteuert. Wenn die Gefäße und die entsprechenden Nerven intakt sind, können die PDE-5-Hemmer wirken – vorausgesetzt, die sexuelle Lust, also die Libido, ist ebenfalls vorhanden.

    Sensorische Informationen werden auch von weiteren Nerven gesendet. Durch diese werden willkürliche Prozesse gesteuert. Zusätzlich Systeme sorgen außerdem dafür, dass die Abstimmung des Prozesses reibungslos abläuft.

    Impotenz und Erkrankungen der Nerven

    Die Erektionsfähigkeit kann von allen Stellen, an denen die Übertragung von Signalen zwischen den peripheren Nerven und den Hirnregionen stattfindet, beeinflusst werden, falls dort Störungen auftreten. Die Art und Weise wie dies geschieht, kann sehr unterschiedlich sein.

    Jede Erkrankung der Nerven hat spezielle Eigenarten. Erforscht sind hier noch nicht alle möglichen Zusammenhänge, denn oft wird nur die im Vordergrund stehende Grunderkrankung ursächlich betrachtet.

    Störungen und Tumore innerhalb des zentralen Nervensystems

    Einige Tumore und Erkrankungen des Gehirns können verhindern, dass die auslösenden Nervenbahnen und Zentren der Erektion im Rückenmark angesprochen werden. Hier sind zum Beispiel fehlerhafte Funktionen des Trieb- und Emotionszentrum, also dem limbischen System, zu nennen. Dadurch kann eine Impotenz auftreten. 10

    Im Schaltzentrum, das für hormonelle und vegetative Prozesse zuständig ist, der Hypothalamus, können die Ursachen für die Impotenz ebenfalls zu finden sind. Auch im Thalamus, der auch als Tor zum Bewusstsein bezeichnet wird und in dem Sinnesreize verarbeitet werden, können Probleme auftreten.

    Hinblutung und Hirninfarkt bei einem Schlaganfall

    Wenn es zu einem sogenannten ischämischen Schlaganfall kommt, dann kommt es zu einem Aussetzen der Blutversorgung im Gehirn. Die entscheidenden Strukturen für eine Erektion können durch diese oder durch Blutungen im Gehirn geschädigt werden.

    Von Erektionsstörungen sind zwischen 18 und 48 Prozent aller Patienten betroffen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Wenn der Schlaganfall nicht länger als ein halbes Jahr zurück liegt, werden PDE-5-Hemmer von den Ärzten nicht verschrieben. Auch danach besteht bei der Verordnung ein erhöhtes Risiko, dass es erneut zu einem Hirnschlag kommt.9

    Anfallsleiden durch Epilepsie

    Menschen, die unter Epilepsie leiden, unterliegen darüber hinaus auch einem stark erhöhten Risiko, an einer Erektionsstörung zu leiden. Die Häufigkeit unter den betroffenen Patienten liegt bei ganzen 48 Prozent.7

    Der Grund liegt in vielfältigen Ursachen. Ein zeitlicher Zusammenhang zu den epileptischen Anfällen konnte noch nicht festgestellt werden. Der Grund liegt wahrscheinlich eher in den Nebenwirkungen der Medikamente und den neurologischen Vorgängen im Körper an sich. Auf die Neigung zu den Anfällen können sich die PDE-5-Hemmer auswirken. Daher sollte vor der Anwendung das Für und Wider sorgfältig abgewogen werden.

    Neurodegenerative Erkrankungen und Erektionsstörungen

    Alle Krankheiten, die den chronisch nervenschädigenden Erkrankungen zugeordnet werden können, können sich auch auf die Potenz des Mannes auswirken. Hier kommt es auf den Ort und den jeweiligen Verlauf des Nervenaufbaus an.

    • Multiple Sklerose

      Betroffene, die unter ZNS, also Multiple Sklerose, leiden, sind zu 70 Prozent auch irgendwann von Erektionsproblemen betroffen. Oft handelt es sich dabei um junge Männer, die im neunten Jahr ihrer Erkrankungen von den Problemen betroffen sind. Ausschlaggebend sind dafür nicht immer die Zerstörungen der Nerven, welche die Krankheit auslöst, sondern oft die sozialen, psychischen und körperlichen Einflüsse.

    • Morbus Parkinson

      Zu den nicht-motorischen Auswirkungen der Krankheit Parkinson gehört auch die erektile Dysfunktion. Zwischen 50 und 69 Prozent der Betroffenen haben Probleme mit ihrer Potenz. Im Vordergrund steht dabei das Ungleichgewicht des Dopamins, einem neuronalen Botensstoff. Die sexuellen Probleme können in diesem Fall durch Arzneimittel, die Dopamin enthalten, gelindert werden.

    • Multisystematrophie

      Die Erkrankung MSA ähnelt der Morbus Parkinson Erkrankung, ist allerdings sehr selten. Auch hier herrscht ein Ungleichgewicht bei dem Dopamin. Störungen der Erektion sind hier ein sehr frühes und häufig auftretendes Symptom, welches durch die Verordnung von PDE-5-Hemmern behandelt werden kann.

    • Morbus Alzheimer

      Die Demenzerkrankung Alzheimer betrifft besonders Menschen im fortgeschrittenen Alter. Der Leidensdruck, welchen die Erektionsstörungen bei den Betroffen auslöst, ist abhängig davon, in welchem Stadium der Erkrankung sich der Patient befindet und wieweit sein Verhalten und sein Gedächtnis davon bereits betroffen ist.

    Geschädigte Wirbelsäule & Impotenz

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    Motortion Films / shutterstock.com

    Wenn die Schädigung der Wirbelsäule über dem 3. beziehungsweise dem 4. Lendenwirbel auftritt, dass sind reflexbedingte Erektionen oft noch möglich. Bei leichten Beeinträchtigungen, die unterhalb des 9. Brustwirbels sitzen, sind auch psychogene Erektionen möglich. Zur Behandlung werden hier häufig PDE-5-Hemmer eingesetzt.

    • Der Bandscheibenvorfall

      Wenn in der Lendengegend Rückenschmerzen auftreten, bei denen die Beteiligung der Nerven eine Rolle spielt, kann dadurch auch das im Rückenmark befindliche Erektionszentrum in Mitleidenschaft gezogen werden.

      Bei einem Bandscheibenvorfall ist dieses Szenario beispielsweise dauerhaft denkbar, wenn die lädierte Bandscheibe Druck auf die falsche Nervenwurzel ausübt.

    • Querschnittslähmung oder WS-Trauma

      Betroffene berichten hier sehr häufig, nämlich in fast 80 Prozent der Fälle, davon, dass ihr Glied nicht mehr ausreichend steif wird, besonders, wenn es sich um eine Verletzung im Bereich des Lendenwirbels handelt. Besonders reflexive Erektionen bleiben häufig während der Zeit des Traumas nach der Schockphase aus.

    • Spina bifida

      Bei der Spina bifida handelt es sich um einen Wirbelspalt, der eine seltene Fehlbildung der Wirbelsäule beschreibt. Wenn diese Fehlbildung bei Jungen früh behandelt wird oder nur leicht ausgeprägt ist, dann gibt es gute Chancen, dass der sexuellen Aktivität in späteren Jahren nichts im Wege steht. Ist dies nicht der Fall, kommt es in knapp 75 Prozent der Fälle zu einer erektilen Dysfunktion.

    Weitere Ursachen neben dem zentralen Nervensystem

    Allgemein können Schäden an den Nerven der Peripherie, also im direkten Umfeld des Penis, ebenfalls dazu führen, dass es nicht mehr möglich ist, spontane Erektionen auszubilden.11 Als Folge können nach längerer Zeit die Schwellkörper verkümmern. Tatsächlich kommt es im Körper nämlich zu einem unwiederbringlichen, schrittweisen Abbau des Gewebes, wenn dies lange nicht mehr aktiviert wurde.

    Entgegengewirkt werden kann diesem Prozess, indem das Glied regelmäßig erregiert wird, auch ohne entsprechenden Geschlechtsverkehr. Auch kann es hilfreich sein, rechtzeitig durch PDE-5-Hemmer in diese Entwicklung einzugreifen.

    • Strahlentherapie oder Operation im Beckenbereich

      Der Beckenplexus, also das Geflecht von Nerven im Beckenbereich, versorgt mit seinen Nerven nicht nur den Penis, sondern ebenfalls die Harnblase, die Harnröhre und den Mastdarm. Mit der Vorsteherdrüse, also der Prostata, ist es ebenfalls eng verbunden.

      Kommt es zu einem Bruch des Beckens und den entsprechenden operativen Eingriffen oder zu einer nötigen Krebs-Bestrahlung, dann besteht ein erhöhtes Risiko für Stuhl- und Harnhalteprobleme. Ebenfalls kommt es häufig zu einer erektilen Dysfunktion, da bei den Eingriffen oft entscheidende Nerven verletzt werden.

      Betroffen sind davon besonders die Behandlungen von:

      • Mastdarm
      • Harnblase
      • Prostata
    • Alkoholmissbrauch und Diabetes

      Zwar stehen im Vordergrund bei der Diabetes in erster Linie die Gefässschädigungen, allerdings können auch im Laufe der Erkrankung wichtige Nerven absterben. Betroffen sind damit im Verlauf auch die Nerven des Penis. Langjähriger Alkoholmissbrauch kann ähnliche Folgen haben.

    • Mangel an Vitamin B12

      Veganer und Vegetarier leiden besonders oft an einem Vitamin B12 Mangel, wodurch eine Impotenz aufgrund eines Mangels des Nerven-Vitamins hervorgerufen werden kann.

    • Amyloidose

      Bei der Erkrankung lagern sich Amyloide, also spezielle Proteine an unterschiedlichen Körperstellen ab. Dies betrifft auch die Nerven des Penis, wodurch Störungen der Erektion auftreten können.

    Diagnose der nervenbedingten erektilen Dysfunktion

    Es gibt sowohl unterschiedliche apparative Maßnahmen, als auch simple Reflextests, die von Neurologen und Urlogen mit der Hand ausgeführt werden können, um zu testen, ob es Schädigungen von bestimmten Nerven gibt, die eine erektile Dysfunktion auslösen.5 6

    Zu Zwecken der Diagnose können darüber hinaus auch eine Injektion von Alprostadil und die Gabe von PDE-5-Hemmern dienen.

    Behandlung bei Nevenschädigungen

    Oft erfolgt die erste Therapie durch die Verordnung von PDE-5-Hemmern, nahezu unabhängig von der jeweils vorliegenden Grunderkrankung.

    Da die Patienten sehr unterschiedlich auf die verschiedenen zur Verfügung stehenden Wirkstoffe reagieren, gibt es unterschiedliche Substanzen, die für die Therapie ebenfalls in Frage kommen.

    Wenn die Nerven des Penis bereits zu stark beschädigt sind, kann auch Alprostadil angewendet werden, entweder über die SKAT oder die MUSE-Methode. Einen Versuch wert ist auch die Vakuumpumpe oder die Implantation von Schwellkörpern in den Penis als letzter Ausweg.

    1. The treatment of erectile dysfunction in patients with neurogenic disease – ncbi.nlm.nih.gov
    2. Erektile Dysfunktion (1/2): Ursachen und Diagnose – urologielehrbuch.de
    3. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie 1 – Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion – Deutsche Gesellschaft für Neurologie – dgn.org
    4. Hollister.de – Liebe, Sexualität & Kinderwunsch – Eine Information aus der Roten Reihe für Männer mit Behinderung
    5. LEXIKON DER NEUROWISSENSCHAFT : Analreflex – spektrum.de
    6. Kremasterreflex Synonyme: CR, Hodenheber-Reflex Englisch: cremasteric reflex - flexikon.doccheck.com
    7. Erectile function in men with epilepsy: relationship to psychosocial, hormonal, epilepsy and antiepileptic drugsrelated variables - jneuro.com
    8. Störungen der Sexualfunktionen und der Reproduktion Kevin T. McVary Sexuelle Dysfunktion Für die deutsche Ausgabe Dirk Fahlenkamp – eref.thieme.de
    9. Lesion mapping of stroke-related erectile dysfunction – doi.org
    10. Volume 111, Issue 473April 1965 , pp. 300-303 Sexual Impotence and the Limbic System – doi.org
    11. Erectile dysfunction study shows high prevalence of peripheral neuropathy November 22, 2011 – sciencedaily.com

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