Autor: Michael Rothenberg, Medizinredakteur
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 11. Februar 2020

 

Adipositas schadet der Potenz

Eine krankhafte übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper kann eine erektile Dysfunktion verursachen. Dabei ist nicht nur das übermäßige Körperfett Grund für die Potenzprobleme, sondern auch dessen Begleiterscheinungen, wie beispielsweise Diabetes, Gefäßerkrankungen oder Bluthochdruck.

Knapp 80 % der Männer, die unter erektiler Dysfunktion leiden, haben einen BMI über 25.

Ja, selbst verstecktes Bauchfett kann die Potenz bereits beeinträchtigen. Die Hauptursache liegt darin, dass das Testosteron durch zu viel Fett in Östrogen umgewandelt wird und der Testosteronspiegel dadurch sinkt. So kommt es zu einer geminderten Erektionsfähigkeit.

Aber auch die Durchblutung kann gestört werden und somit kann nicht mehr ausreichend Blut in die Schwellkörper des Penis gelangen. 

Viele Behandlungsmethoden, wie beispielsweise verschreibungspflichtige PDE-5 Hemmer, können bei durch Übergewicht bedingten Potenzproblemen helfen.

Durch die Reduzierung von Körperfett kann auch die erektile Dysfunktion wieder in den Griff bekommen werden. Wer also den Kampf gegen das Übergewicht ansagt und einen gesunden, aktiven Lebensstil führt, kann auch seine Potenzprobleme auf natürliche Weise lösen.

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Africa Studio / shutterstock.com
Übersicht:
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    Risikofaktor: Fettleibigkeit

    Adipositas (von lat. adeps „Fett“), auch bekannt als Fettleibigkeit, ist in der heutigen Zeit eine weitverbreitete Volkskrankheit, welche viele Risikofaktoren und gesundheitliche Folgen mit sich bringt.

    Erektile Dysfunktion ist dabei einer der Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit, da sich dauerhaftes und schweres Übergewicht durchaus negativ auf die Erektionsfähigkeit eines Mannes auswirken kann.

    Dabei kann ein Grund für die Erektionsprobleme einerseits die Fettleibigkeit selbst, andererseits können aber auch viele Nebenerscheinungen von Adipositas, wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen, der Auslösefaktor für eine erektile Dysfunktion sein.

    Ab wann ist man übergewichtig?

    • BMI über 30 = Fettleibigkeit

    Schon 15 kg zu viel können die Erektionsfähigkeit um 25 – 29 % senken. Eine Orientierung kann der Body-Mass-Index (BMI) geben. Ist dieser Wert über 30, gilt man fettleibig.

    Aber auch der Bauchumfang selbst kann Auskunft geben. Dieser wird auf der Höhe des Bauchnabels gemessen. Ist der Umfang unter oder bei 94 cm bewegt man sich im Normalbereich, zwischen 94 – 102 cm ist man bereits im gelben Bereich und alles über 102 cm gilt als übergewichtig.

    Eine Studie aus Kalifornien konnte feststellen, dass Männer mit einem BMI über 28 eine 90 % höhere Wahrscheinlichkeit hatten, an Erektionsstörungen zu leiden als Normalgewichtige.5

    Warum löst Fettleibigkeit Erektionsstörungen aus?

    Bei Übergewicht kann eine Erektion häufig schwieriger aufgebaut und gehalten werden.

    Die Erektion fällt dadurch oft weicher aus und verschwindet schnell wieder. Das kann viele Gründe haben. Übergewicht kann eine Kettenreaktion von Vorgängen im Körper auslösen, die unter anderem in erektiler Dysfunktion endet.

    Dabei ist nicht nur das übermäßige Fett ein Risiko, sondern auch weitere Krankheiten, die durch starkes und langfristiges Übergewicht ausgelöst werden.

    Um eine einwandfreie Erektion zu bilden, bedarf es einiger körperlicher Faktoren. Eine Erektion entsteht durch ein Zusammenspiel zahlreicher komplexer körperlicher Vorgänge. Übergewicht kann diese Vorgänge stark behindern. Männer, die langfristig an Adipositas leiden, verringern mit der Zeit auch immer mehr die Qualität der Funktionalität ihres Körpers. So können auch verschiedene Nebenerscheinungen und Krankheiten entstehen, die sich unter anderem auch auf die Potenz auswirken.

    Fettleibigkeit und Bewegungsmangel

    Fettleibigkeit geht oft mit Bewegungsmangel Hand in Hand. Ist der Körperumfang zu groß, fallen auch Bewegungen immer schwerer. Bewegt man sich wenig, neigt man dazu, zuzunehmen. Ein Teufelskreis entsteht.

    Neben Herz-Kreislauf-Problemen schwächt Bewegungsmangel auch die Muskulatur des Körpers. Die Bodenbeckenmuskulatur spielt allerdings bei einer Erektion eine enorm wichtige Rolle. Sobald diese geschwächt ist, leidet auch die Qualität der Erektion daran. Eine starke Beckenbodenmuskulatur fördert ein langes Durchhaltevermögen der Erektion und festigt den Ejakulationsreflex.

    Bauchfett verringert Testosteron

    Bereits geringe Mengen Bauchfett können schon zu einer schwächeren Erektion führen.

    Dies hängt mit den Hormonen zusammen. Besitzt der männliche Körper mehr Bauchfett, sorgt das Enzym Aromatase dafür, dass sich das männliche Testosteron vermehrt in das weibliche Östrogen umwandelt und der Testosteronspiegel somit sinkt.4

    • Je mehr Bauchfett = Desto weniger Testosteron

    Testosteron ist das wichtigste Sexhormon des Mannes und wird bei der Bildung einer Erektion benötigt. Die Folgen von Testosteronmangel sind neben der Unfähigkeit eine Erektion aufzubauen, auch eine verminderte Libido. Dabei verringert sich der Testosteronwert nicht über Nacht, sondern über Jahre hinweg.

    Folgeerkrankungen und verstopfte Gefäße

    Neben dem Risikofaktor Fett hält Adipositas auch andere Risiken bereit, die sich negativ auf die männliche Potenz ausüben.

    Langfristiges Übergewicht kann mit Folgeerkrankungen wie Diabetes, einem hohen Blutdruck oder Gefäßerkrankungen einhergehen. Diese Erkrankungen wirken sich auf den Blutkreislauf und die Blutgefäße aus.

    Gefäßerkrankungen wie Atherosklerose verstopfen die Blutgefäße und erschweren bzw. verhindern den Blutfluss in den Penis. Eine Erektion ist dann kaum bis gar nicht mehr möglich. Aber auch Diabetes kann die Blutzirkulation behindern und Potenzstörungen auslösen.

    Wichtig:

    Die erektile Dysfunktion bei Fettleibigkeit kann auch als Frühwarnsystem für ernsthafte Probleme mit dem Herzkreislauf gedeutet werden, wie beispielsweise als Anzeichen für ein Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

    Psychologische Faktoren

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    New Africa / shutterstock.com

    Menschen, die an starker Fettleibigkeit leiden, haben aufgrund der körperlichen Veränderungen oft auch ein geringeres Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

    Oft ziehen sie sich zurück und fühlen sich unwohl. So kann in manchen Fällen sogar eine Depression entstehen. Psychologische Probleme wie diese wirken sich oft auch auf die Libido und die Potenz aus. Reize können dabei oft nicht die nötigen Nervensignale auslösen, die die körperlichen Vorgänge für eine Erektion auslösen. Eine Erektion bleibt in diesem Fall also aus.

    Buchfett lässt Penis kleiner wirken

    Ein weiterer Nachteil von Fettleibigkeit ist, dass diese den Penis optisch verkürzt wirken lässt. Je mehr Bauchfett ein Mann besitzt, desto mehr wird der Penis vom Bauchfett verdeckt. Der Penis wirkt also kürzer, als er wirklich ist.

     

    Was hilft bei einer erektilen Dysfunktion, die durch Adipositas bedingt ist?

    Erektile Dysfunktion, die aufgrund von Übergewicht ausgelöst wird, ist in der Regel gut behandelbar. Potenzmittel wie PDE-5-Hemmer können nach Absprache mit einem Arzt eine unterstützende Behandlungsmethode für Erektionsstörungen sein.

    Auch ein gesunder Lebensstil und körperliches Training sind als Behandlungsmethode sehr wirksam und empfehlenswert. Bei einer sehr stark ausgeprägten erektilen Dysfunktion bieten sich auch Hilfsmittel wie der Penisring oder die Penispumpe an.

    Kommen psychologische Faktoren hinzu, kann man sich von einem Arzt über natürliche Potenzmittel informieren lassen, die zusätzlich als Behandlungsmethode eingenommen werden können. Auch Kommunikation und eine Therapie könnten in manchen Fällen hilfreich sein.

    Gewichtsreduktion kann helfen

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    Michael D Brown / shutterstock.com

    Die gute Nachricht ist: Wer Übergewicht bekämpft und das Körperfett reduziert, kann auch die erektile Dysfunktion über natürliche Wege behandeln.

    Dabei ist ein gesunder Lebensstil und etwas Sport die hilfreichste und für den Körper die gesundeste Methode.

    Durch Gewichtsverlust und Bewegung fällt es der Durchblutung wieder leichter, den gesamten Körper mit ausreichend Blut zu versorgen. Außerdem steigert sich das Testosteron wieder und die Lust auf Sex wird angekurbelt.

    Laut einer Studie konnten über 30 % der Männer, die sich an eine Diät gehalten haben und Ihr Körpergewicht reduzieren konnten, wieder ein normales Sexualleben führen. Dabei verloren diese Männer etwa 15 kg über einen Zeitraum von 2 Jahren. In der Kontrollgruppe konnten nur 5 % der Männer ihre Erektionsstörungen beheben.

    Die Teilnehmer der Studie haben dabei täglich ein Kaloriendefizit von rund 300 Kilokalorien eingehalten und die körperliche Betätigung erhöht. Diese leichte Reduzierung der Nahrungsaufnahme und etwas mehr Bewegung im Alltag, konnten also bereits große Vorteile für den Körper und die Erektionsstörungen bewirken.3

    Wie man Adipositas vorbeugen und bekämpfen kann:

    • Auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achten

    • Sich von einem Ernährungsberater beraten lassen

    • Auf Zucker und fettige Lebensmittel verzichten

    • Aktiver Lebensstil mit viel Bewegung, z.B. Treppen statt Aufzug/Rolltreppen

    • Regelmäßig Sport betreiben

    • Auf Nikotin und Alkohol verzichten

    1. Obesity: Unhealthy and unmanly – health.harvard.edu
    2. Can Weight Loss Treat Erectile Dysfunction? – healthline.com
    3. Lose weight to lose erectile dysfunction Michael F. Evans, MD, CCFP – ncbi
    4. Lowered testosterone in male obesity: mechanisms, morbidity and management - Asian J Androl. 2014 Mar-Apr; 16(2): 223–231. – ncbi.nlm.nih.gov
    5. The Association of Body Size and Composition with Erectile Dysfunction in Older Men: Osteoporotic Fractures in Men (MrOS) Study – doi.org

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