Autor: Kerstin Voigt, Medizinredakteurin
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 17. April 2020

Chemotherapie sorgt für Erektionsstörungen

Jede Krebserkrankung bringt große Herausforderungen mit sich. Neben den Belastungen, die von der Krankheit selbst ausgehen, können sich als Folgeerscheinung Potenzstörungen einstellen.

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    Erektionsstörungen während einer Krebserkrankung

    Das sexuelle Verlangen lässt durch eine Krebserkrankung nicht zwingend nach. Im Gegenteil, gerade in schwierigen Zeiten können Intimität und Sexualität wieder einen ganz neuen Stellenwert einnehmen. Verursacht die Behandlung der Krebserkrankung durch starke Medikamente Erektionsstörungen, kann die Psyche des Mannes zusätzlich leiden. In diesen Fällen ist es wichtig zu wissen, dass Potenzstörungen nach einer Krebserkrankung erfolgreich behandelt werden können.

    Krebstherapie mit Zytostatika

    Krebs geht mit dem entarteten Wachstum bestimmter Körperzellen einher. Die Zellen teilen sich häufiger und außerhalb der natürlichen Zyklen. Als Folge entstehen Tumoren und bösartig wuchernde Gewebeveränderungen.

    Zytostatika sind Medikamente, die dieses abnorme Zellwachstum hindern sollen. Die Mittel sind ziemlich genau auf den erhöhten Teilungs-Zyklus der Krebszellen abgestimmt. Das Problem ist, dass dieser regional krankhafte Teilungs-Rhythmus der Wachstumsgeschwindigkeit einiger weiterer, ganz normaler Zellen im Körper ähnlich ist.

    Zu diesen gesunden Strukturen, auf die sich Zytostatika auswirken können, zählen:

    • der Magen-Darm-Trakt

    • das Knochenmark als Zentrum der Blutbildung

    • die Hoden

    • Haare, Haut, Schleimhäute und Fingernägel

    Im Klartext bedeutet dies, das diese Körperregionen besonders unter einer Chemotherapie leiden und zu diesen Nebenwirkungen führen können

    • Haarausfall

    • trockene Haut, Juckreiz

    • allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung

    • Magen-Darm-Probleme mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

    • Blutarmut(Anämie)

    • psychische Probleme wie Burnout und Depression

    • Taubheitsgefühle und Wahrnehmungsveränderungen

    • Erektionsstörungen

    Zytostatika verursachen in den reagierenden Zellstrukturen eine Entzündung der Nerven. Krebszellen können sich von dieser Attacke bestenfalls nicht mehr erholen und sterben ab. Das übrige Gewebe sollte sich nach einer Chemotherapie wieder regenerieren können. Je nach Intensität der Behandlung sind die Folgeschäden mehr oder minder stark ausgeprägt.

    Chemotherapeutika und Erektionsstörungen

    Um eine Erektion aufbauen zu können, braucht der Mann das perfekte Zusammenspiel von Nervenreizen sowie sexuellen Botenstoffen im Gehirn, im Rückenmark und in der Genitalregion. Kommt es hier zu Störungen, ist schnell die ganze Manneskraft davon betroffen.

    Potenzleiden sind hauptsächlich auf diese drei durch Chemotherapeutika verursachte Schäden zurückzuführen:

    • ein Mangel an Testosteron

    • Schäden und Ablagerungen an Nerven und Blutbahnen

    • Schäden an den Schwellkörpern des Penis

    Besonders betroffen sind Männer, deren Krebserkrankung im Genitaltrakt sitzt. Studien ergaben, dass 20 bis 40 Prozent der Männer mit erfolgreich therapiertem Hodenkrebs während der Behandlung unter Erektionsstörungen litten.

    Die Intensität, Dauer und Regenerationsfähigkeit nach der Behandlung mit Zytostatika ist bei jedem Mann anders.

    Besonders häufig traten Erektionsstörungen in Verbindung mit diesen Medikamenten auf:

    Der Mitosehemmer Vincristin kann zu Nervenstörungen wie Taubheitsgefühlen, Juckreiz und Erschlaffung von Muskelgewebe im Genitalbereich führen.

    Der Mitosehemmer Docetaxel kann neben starker Müdigkeit und Verdauungsproblemen auch Erektionsstörungen verursachen.

    Die Kombinationspräparate Cisplatin, Vinblastin und Bleomycin können zu weitreichenden Empfindungsstörungen und Gefäßschäden beitragen.

    Hormontherapie und Impotenz bei Krebs

    Insbesondere Prostatakrebs wird ergänzend oder auch ausschließlich durch die hormonregulierenden Androgendeprivationstherapie (ADT) behandelt. Um das unkontrollierte Zellwachstum in den Griff zu bekommen, wird dabei das männliche Hauptsexual-Hormon Testosteron zeitweise unterdrückt.

    Es ist logisch, dass sich durch diesen Eingriff Veränderungen in der Sexualität einstellen.

    Je nach Veranlagung können das folgende Verändungen sein:

    • ein vermindertes sexuelles Verlangen

    • der vollständige Verlust der Libido

    • gelegentliche Störungen der Erektionsfähigkeit

    • vollständige Impotenz

    Erektionsstörungen möglichst bald behandeln

    Sexuelle Probleme sollten Erkrankte frühzeitig mit den behandelnden Ärzten besprechen. Die sexuelle Rehabilitation kann sofort in den Genesungs-Prozess miteinbezogen werden.

    Bei einigen Männern verschwindet die erektile Dysfunktion nach dem Ende der medikamentösen Therapien von selbst wieder. Da Nervenschäden nur sehr langsam abheilen, können Potenzprobleme aber auch über mehrere Monate bis Jahre hinweg bestehen bleiben.

    Bei anhaltenden Potenzstörungen wird der Arzt zunächst bewährte PDE-5-Hemmer wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) oder Vardenafil (Levitra) verschreiben. Diese Mittel wirken über eine Beeinflussung der körpereigenen sexuellen Botenstoffe. Im Erfolgsfall stärken und glätten sie das Nervengewebe in der Genitalregion und verbessern den Blutfluss.

    Zeigen diese Medikamente nur unzureichende Erfolge können die SKAT oder MUSE Therapie zum Einsatz kommen. Während sich der Mann bei SKAT selbst eine Injektion direkt in den Schwellkörper des Penis setzen muss, wird bei MUSE ein Wirkstoff-Stäbchen direkt in die Harnröhre eingeführt.

    Mit einer manuellen Penispumpe können betroffene Männer die Erektionsfähigkeit ebenfalls wieder deutlich verbessern.

    Haben alle diese Mittel keine oder nur unzureichende Erfolge erzielt, kann als letztes Mittel die operative Implantation einer Schwellkörper-Prothese Abhilfe schaffen.

    • Erektionsstörungen durch Chemotherapie: Was jetzt hilft – von Dr. Maria Niki Aigyptiadou verfasst am 08.02.2017 – jameda.de
    • Deutsches Krebsforschungszentrum Krebsinformationsdienst: Ratgeber für Patienten und ihre Partnerinnen – Männliche Sexualität und Krebs – krebsinformationsdienst.de (.pdf)
    • Wirkung und Nebenwirkungen der Chemotherapie – netdoktor.at
    • Managing Erectile Dysfunction After Cancer: More Than Penile Rigidity Leslie R. Schover, PhDcorresponding author – dx.doi.org
    • Understanding and Managing Erectile Dysfunction in Patients Treated for Cancer Maria Voznesensky, MD, Kiran Annam, ARNP, and Karl J. Kreder, MD – NCBI
    • Sexual Health After Cancer Therapy Celestia S. Higano, MD,corresponding author Christine Zarowski, RN, Richard Wassersug, PhD, and Stacy Elliott, MD – doi.org

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