Autor: Kerstin Voigt, Medizinredakteur
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 29. Januar 2020

 

Schmerzmittel als Auslöser für Impotenz

Eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmittel kann zu einer erektilen Dysfunktion führen oder diese verstärken. Auch Schlaf-, und Beruhigungsmittel können ähnlichen Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit verursachen.

Die Liste der Schmerzmittel ist lang, insbesondere im Bereich der opioden (hochwirksame) Schmerzmittel. Doch auch nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), rezeptfreie Schmerzmittel, können über einen langen Zeitraum Erektionsstörungen verursachen. 

Die bekanntesten darunter sind:

  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Diclofenac
  • Ibuprofen

Der Hintergrund liegt darin das diese Schmerzmittel zu einem Abfall von Stickstoffmonoxid (NO) führen können. Dieser Stoff wird allerdings für das Entstehen einer Errektion benötigt. 

Ja, insbesondere opioide Schmerzmittel, die über einen langen Zeitraum eingenommen werden, können Erektionsstörungen verursachen. Zusammenhängend damit können diese hochwirksamen Medikamente gegen chronische Schmerzen einen Testosteronmangel auslösen. Dadurch reduzieren sich sowohl die Lust auf Sex (Libido) als auch die Erektionsfähigkeit des Penis.

Auch die Zeit bis zur Ejakulation kann unter Opioiden (wie z. B. Tramadol) verzögert werden, was häufig neben Erektionsstörungen auch zu Orgasmusproblemen führen kann.

Zu beachten ist, dass hierbei allerdings auch andere gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen können. So leiden viele Opioid-Dauerkonsumenten auch unter Depressionen, starken chronischen Schmerzen und konsumieren häufiger Nikotin.

Sollten Sie unter einer Schmerzmittel bedingten Erektionsstörung leiden, können in den meisten Fällen viele Behandlungsmethoden helfen. Im Idealfall ist auf die Einnahme der Schmerzmittel zu verzichten. Falls dies nicht möglich ist, können Sie über ein Wechsel auf ein andere Schmerzmittel mit Ihren Arzt sprechen. 

Die Einnahme von PDE-5-Hemmern ist zwar grundlegend mit den meisten Schmerzmittel möglich, sollte aber dennoch aufgrund möglicher Wechselwirkungen mit Ihren Arzt besprochen werden. Andere Behandlungsmethoden wie z.B: Körperliches Training wie Beckenbodentraining können ohne Bedenken angewendet werden 

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Iryna Imago / shutterstock.com
Übersicht:
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    Welche rezeptfreien Schmerzmittel sind bekannte Auslöser?

    Grundsätzlich lassen sich rezeptfreie Schmerzmittel als Nichtopioid-Analgetikum bezeichnen. Diese Schmermittel binden deren Wirkung nicht nur die Opioidrezeptoren und sind somit keine verschreibungspflichtigen Opiode.9

    Doch nicht alle Vertreter der Nichtopioid-Analgetika sind für Erektionsstörungen bekannt. So zählt z.B. auch Paracetamol unter diese Schmermittel, welche nicht für Potenzprobleme bekannt sind.

    Die bekanntesten rezeptfreien Schmerzmittel welche in Verbindung mit Erektionsstörungen stehen, sind die sauren antipyretischen Analgetika. Historisch werden diese Wirkstoffe auch NSAR (nichtsteroidales Antirheumatikum) geannnt.

    Darunter werden zahlreiche Wirkstoffe gezählt welche Entzündungshemmend, Fiebersenkend und schmerzlindernd wirken.

    Diese Medikamente werden nicht nur bei Bedarf (z.B bei Kopfschmerzen) eingenommen, sondern auch bei arthritischen Beschwerden oder zur Verdünnung des Blutes (bei Herzinfarkt Risiko) langfristig eingenommen.

    Die Langfristige Einnahme dieser Schmerzmittel kann die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion um 140 bis zu 240 % erhöhen. Dabei wurden in einer Studie länger als 3 Monate 3 x täglich eines dieser Schmerzmittel eingenommen. 8

    Salicylate

    Salicylate sind bestimmte Salze aus der Salicylsäure. Diese Säure wird eigentlich von Pflanzen produziert um sich vor Schädlichen zu schützen. Unter den Salicylaten ist die Acetylsalicylsäure (ASS) mit dem Handelsname Apsirin mit Abstand der bekannteste Wirkstoff. Das Schmerzmittel wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend und hat eine blutverdünnende Wirkung.

    Acemetacin: Acemetacin, Rantudil
    Acetylsalicylsäure (ASS): Aspirin, ASS, Godamed, HerzASS, Miniasal, Togal
    Diclofenac (Arylessigsäure): Allvoran, Diclac, Diclofenac Generika & Voltaren
    Indometacin: Elmetacin, Indomet & Generika
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    Goksi / shutterstock.com

    Arylpropionsäure-Derivate

    Auch der Wirkstoff Ibuprofen gehört zu den NSAR, genauer gesagt zu den Arylpropionsäure-Derivate. Ibuprofen wirkt entzhündungshemmend und wird häufig bei leichten bis mittelschweren Fieber eingesetzt. Doch auch bei chorinischen Gelenkschmerzen wie Rückenschmerzen können diese Schmerzmittel langfristig eingenommen werden.

    Bekannte Arylpropionsäure-Derivate:

    Ibuprofen: Aktren, Dolormin, Nurofen & Ibuprofen Generika
    Ketoprofen: Effekton, Gabrilen, Pharadol, Togal
    Naproxen: Naproxen & Generika

    Warum verursachen Opiode Schmerzmittel Probleme?

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    chatuphot / shutterstock.com

    Opiate und halb- oder vollsynthetische Opioide sind sehr wirksame Waffen gegen starke und chronische Schmerzen – mit einer Reihe von ernsten Nebenwirkungen, insbesondere auf den Hormonhaushalt.

    Häufig eingesetzte Opioide sind beispielsweise:

    • Morphin

    • Codein

    • Oxycodon

    • Tramadol

    • Hydromorphon

    • Fentanyl

    • Buprenorphin

    Sie alle besetzen Opioid-Rezeptoren an verschiedenen Stellen im Körper, die eigentlich den körpereigenen Opioiden, den Endorphinen (für endogene Morphine), zugedacht sind. Diese sind beteiligt an Schmerz- und Hungerregulation, euphorischer Stimmung, Glücksempfinden – und Bildung von Sexualhormonen.

    Opiate und OPIAD: Hodenfunktion

    Schon seit einigen Jahrzehnten wurde beobachtet, dass die längerfristige Einnahme morphinähnlicher Schmerzmittel unter anderem auch Risiken für die Sexualfunktion birgt – nicht nur bei Männern.

    Hypogonadismus und OPIAD werden in diesem Zusammenhang genannt. Hypogonadismus bedeutet beim Mann eine gestörte hormonelle Funktion der Hoden, welche in diesem Fall unzureichende Mengen an Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) produzieren. OPIAD ist eine Abkürzung für opioidinduzierten Androgenmangel (opioid-induced androgen deficiency).

    Zweifache Blockade der Testosteronproduktion

    Opioide binden dabei nicht allein an Rezeptoren von schmerzleitenden Nervenzentren, deren Hemmung ihrer erwünschten Wirkung entspricht.

    Sie setzen sich auch direkt an die Bindungsstellen verschiedener Schaltstellen für die Testosteronproduktion: Sie hemmen im „Sexualzentrum“ der Hypophyse die Ausschüttung von Gonadoliberin an die direkt anschließende Hormondrüse Hypothalamus.

    Im Hypothalamus dann blockieren sie zusätzlich die Exkretion der beiden Hormone FH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), welche die Hoden als Zielorgane haben. Die Addition beider Einflüsse reduziert merklich die Bildung von Testosteron in den Hoden. Die Folgen sind der Verlust des sexuellen Interesses, erektile Dysfunktion & Co.1

    Vieles ist wissenschaftlich noch ungeklärt

    Zahlreiche Studien der letzten Jahre untersuchten den Effekt von Opioiden auf die Sexualität und doch sind die Daten noch unvollständig und inkonsistent.

    Ein umfassendes Review (Übersicht) von 2018 über die aktuelle Studienlage berichtet von Häufigkeiten zwischen 19 und 86 Prozent für Hypogonadismus, je nach Diagnosekriterien.

    Eines scheint zumindest klar zu sein: Der hauptverantwortliche Mechanismus ist die Unterdrückung von Gonadoliberin und luteinisierendem Hormon.7 Und: Je höher die Opioid-Dosis, desto stärker sind offenbar auch die sexuellen Einschränkungen.6

    Ein Opiat beeinflusst außerdem auch Stimmung, Knochendichte und Körperbau negativ. Noch dazu kann dieser Androgenmangel durch opioide Schmerzmittel paradoxerweise zu erhöhtem Schmerzempfinden führen, was wiederum weder der Gemütslage noch einer leidenden Sexualfunktion zuträglich ist.

    Was kann man tun?

    Viele Männer, die gegen Rückenschmerzen längere Zeit höhere Dosen an Opioiden erhalten, nehmen auch Medikamente gegen ED ein, und zwar zu 50 Prozent häufiger als zu anderen Schmerzmitteln greifende Männer.2

    Sowohl PDE-5-Hemmer als auch Testosteron-Gel können helfen, denn das Absetzen morphinartiger Substanzen kann sehr schwierig sein, Stichwort: Entzugserscheinungen.5

    Welche Medikamente können noch Impotenz verursachen?

    Neben Schmerzmittel können auch Schlafmittel und Beruhigungsmittel Probleme mit der Erektion verursachen. Viele dieser Medikamente sorgen für eine verminderte Libido und damit einhergehende Erektionsstörungen.

    Auch Medikamente die bei Magen-Darm Beschwerden oder gegen Übelkeit eingenommen werden, können in manchen Fällen Erektionsstörungen verursachen.

    Medikamente die auf das Zentralnervensystem wirken

    Unter den Medikamente die auf das Zentralnervensystem wirken, zählen beispielsweise Mittel gegen Epilepsie (Antiepileptika) oder auch Arzneimittel die bei Angst und Panikstörungen eingesetzt werden.

    Die bekanntesten Wirkstoffe als Beispiele:

    • Pregabalin (Lyrica & Generika)

    • Bromazepam (Lexotanil & Generika)

    • Lorazepam (Tavor & Generika)

    • Diazepam (Valium & Generika)

    • Alprazolam (Tafil, Xanax & Generika)

    Auch Stimulanzien des Zentralnervensystems, wie beispielsweise Kokain und anderen Drogen verursachen häufig Erektionsstörungen. 

    1. Opioid-induced Sexual Dysfunction Causes, diagnosis, and treatment of a common but an often undiagnosed problem in chronic opioid pain patients. By Stephen Colameco, MD, MEd – practicalpainmanagement.com
    2. Prescription Opioids for Back Pain and Use of Medications for Erectile Dysfunction – dx.doi.org
    3. Testosterone deficiency in non-cancer opioid-treated patients – F. Coluzzi, D. Billeci, M. Maggi, and G. Corona J Endocrinol Invest. 2018 – dx.doi.org
    4. Prescription Painkillers Linked to Erectile Dysfunction By Rachael Rettner – livescience.com
    5. Erectile dysfunction in patients with chronic pain treated with opioids. – NCBI
    6. Opioids Increase Sexual Dysfunction in Patients With Non-Cancer Pain – jsm.jsexmed.org
    7. Testosterone deficiency in non-cancer opioid-treated patients – ncbi.nlm.nih.gov
    8. Non-steroidal anti-inflammatory drugs linked to increased risk of erectile dysfunction KAISER PERMANENTE – eurekalert.org
    9. Nichtopioid-Analgetikum –  de.wikipedia.org

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