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Autor: Kerstin Voigt, Medizinredakteurin
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 18. April 2020

Blutdrucksenker – Gut oder schlecht für die Erektion?

Nicht alle Blutdrucksenker stehen in Verbindung eine Erektionsstörung auszulösen. Während manche Blutdrucksenker dafür bekannt sind eine Potenzstörung auszulösen, können andere diese sogar verbessern.

Laut Statistiken haben mittlerweile über 40 % der von Erektionsstörungen betroffenen Männer auch erhöhte Blutdruckwerte. 5

Eine erektile Dysfunktion ist oft die Folge von Bluthochdruck, kann aber auch eine Folge von Blutdrucksenkern sein, denn es haben mehr Bluthochdruck-behandelte Patienten Erektionsstörungen, als die unbehandelten.7

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Shidlovski / shutterstock.com
Übersicht:
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    Bluthochdruck Behandlung ist dennoch notwendig

    Blutdrucksenkende Medikamente gehören zu der Gruppe der Antihypertensiva, welche an unterschiedlichen Stellschrauben des Herz-Kreislaufsystems angreifen und sehr inhomogen sind. Den hohen Blutdruck in einen Normbereich zu senken ist nicht die einzige primäre Aufgabe, sondern zusätzlich mögliche Risiken für ernste Vorfälle wie Hirn- oder Herzinfarkte zu minimieren.

    Zur Behandlung von hohem Blutdurck ist zur Beherrschung ein komplexes Management unterschiedlicher Faktoren in anzuwenden:

    • der Schwere vorliegender Hypertonie (Grad eins bis drei)

    • an Herz, Augen, Niere, etc. bereits eingetretenen Organschäden

    • weiterer Risikofaktoren im Herz-Kreislaufsystem wie zum Beispiel ED

    • von Begleiterkrankungen

    Ein Arzt wird je nach Situation verschiedene Blutdrucksenker verwenden, kombinieren oder falls notwendig anpassen.

    Es ist keine willkürliche Vorgehensweise in der modernen leitliniengerechten Hochdrucktherapie vorhanden. Vielmehr liegen gesicherte Erkenntnisse vor, die Synergieeffekte von unterschiedlichen Wirkstoffen nutzbar machen. Werden Blutdrucksenker kombiniert, entsteht außerdem der Vorteil, dass dosisabhängige Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe verringert werden.2 3 1

    Die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient ist dabei essentiell wichtig. Antihypertensiva sollten insbesondere nie eigenständige und auf keinen Fall abrupt abgesetzt werden.

    Errektile Dysfunktion und Blutdrucksenker

    Es stehen fünf bewährte Medikamentenklassen zur Senkung von Bluthochdruck zur Verfügung. Diese werden wiederum in Unterklassen, die unterschiedliche Gruppeneigenschaften besitzen, untergeordnet. In diesem Zusammenhang gelten bspw. Alpha-1-Rezeptorenblocker als veraltet. Primär werden diese bei der Behandlung von BPH, der gutartigen Prostatavergrößerung, eingesetzt.

    Es existieren zwar zahlreiche Beobachtungsstudien, welche Hinweise, dass es unter bestimmten Antihypertensive zu gehäuften Erektionsstörungen kommt, jedoch liegt für keine dieser Wirkstoffe ein tatsächlicher Beweis vor.9

    Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht in der Reihenfolge des Grades eines möglichen Einflusses auf Erektionsstörungen. Diese reichen von einem negativen, über einen neutralen bis zu einem positiven Einfluss.7

    Wassertabletten bzw. Entwässerungsmittel (Diuretika)

    Diuretika kurbelt die Salz- sowie Flüssigkeitsausscheidung in den Nieren an und ist somit harntreibend. Dadurch verringert sich das Volumen vom Blut. Das hat zur Folge das der Druck in den Gefäßen sinkt. Diuretika kommen häufig als Kombinationen vor und werden in Kombitabletten sehr häufig verwendet. Es werden nahezu alle Vertreter dieser Wirkstoffklassen mit ED in Verbindung gebracht.

    • Thiazide wie Hydrochlorothiazid (HCT) und Clopamid

    • Amilorid

    • Spironolacton

    Beta-Adrenozeptorenblocker (Betablocker)

    Bindungsstellen (Rezeptoren) werden von Betablockern besetzt. Diese Bindungsstellen schütten Noradrenalin sowie Adrenalin aus und steigern unter anderem die Leistung des Herzen, genauer gesagt die Frequenz sowie die Kraft.

    Wenn die Beta-1-Adrenorezeptoren blockiert werden, wird sowohl der Blutdruck als auch die Herzfrequenz gesenkt. Hingegen wirken die Beta-2-Rezeptoren in den Bronchien (Asthma), den Blutgefäßen, der Gebärmutter und in den Schwellkörpern vom Penis verengend. Außerdem kann auf die Erektionsfähikeit die zentralnervöse Wirkung Einfluss nehmen. In Abhängigkeit des Betablockers sind die Wirkungen diesbezzüglich verschieden.9

    Es ist nach wie vor nicht belegt, dass Betablocker eine ED auslösen. Es deuten jedoch viele Studien darauf hin. Es liegenjedoch Nachweise vor, dass die Nebenwirkung von Betablockern häufig zu einer Impotenz führen.8 74 9

    Betablocker werden hauptsächlich in zwei Kategorien unterteilt:

    • 1. Beta-1- und Beta-2-Blocker (Nicht-selektive Betablocker)

      • Carvedilol
      • Propranolol
      • Pindolol

    • Weniger ED sowie kardioselektive Beta-1-Blocker

      • Atenolol
      • Bisoprolol
      • Metoprolol
      • Nebivolol

    Nebivolol wirkt eher positiv auf ED, indem es im Gefäßendothel die NO-Freisetzung stimuliert.
    Quellen: 3 7 9

    Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker)

    Kalziumantagonisten blockieren spezielle Kalziumkanäle. Dadurch werden Kalziumionen daran gehindert in glatte Muskelzellen einzuströmen. Somit wird auch die Kontraktion der glatten Muskelzellen verhindert.

    Das Resultat davon ist das Weiten der Blutgefäße, wodurch sowohl die Frequenz als auch die Schlagkraft der Herzens abnehmen. Der Blutdruck wird verringert. Es stehen insgesamt drei unterschiedliche Kalziumkanalblocker zur Verfügung, die unterschiedliche Wirkungen aufweisen. Des Weiteren gibt es unterschiedliche Kanaltypen, den T- und den L-Typ.

    Laut Studienhinweisen, können vor allem kurz wirkende Dihydropyridine ungünstig wirken.9

    • Dihydropyridine: Dienen der Erweiterung von Gefäßen von Arteriolen (kleine Arterien), hauptsächlich am L-Typ.

      • kurzwirksames Nifedipin
      • Felodipin
      • Lercanidipin
      • Nitrendipin
      • Amlodipin

    • Phenylalkylamine:Senken die Schlagkraft sowie die -frequenz des Herzens (T- und L-Typ)

      • Verapamil

    • Benzothiazepine: Ist eine Kombination aus den beiden vorherigen Mechanismen, ebenfalls T- und L-Typ

      • Diltiazem

    AT1-Antagonisten und ACE-Hemmer

    Es wird von der Niere eine essentiell wichtige Aufgabe in der Regulierung des Flüssigkeitsvolumens sowie des Blutdrucks übenommen: Das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System), welches ein komplexes und intelligentes Enzym- und Hormonsystem darstellt, ist dafür zuständig. Diese Regelkreis wird sowohl von AT1-Antagonisten als auch von ACE-Hemmern angeregt.

    Die Erektion kann auf zweierlei Wegen bei Bluthochdruck inklusive überaktivem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System versagen: Mittels Endotheöschädigung (oxidativer Stress, hoher Gefäßdruck) sowie lokaler Gefäßengstellung. Positiv auf die Penisfunktion könnte sich somit eine Reduzierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems auswirken. Es scheinen beide Klassen der Bluthochdrucksenker positiv auf die Erektion wirken, wobei ein engültiger Beweis jedoch noch aussteht.9

    ACE ist die Abkürzung für „angiotensin converting enzyme“. ACE ist ein Protein, welches aus der Vorstufe Angiotensin I durch katalytische Reaktion das blutdruckhemmende Hormon Angiotensin II herstellt. Aus der Bezeichnung Angiotensin II folgt schon dessen Funktion Blutgefäße zu verengen und damit den Blutdruck zu steigern. Wenn man ACE hemmt, wird genau dies vemieden.

    • Folgende ACE-Hemmer sind weit verbreitet:

      • Captopril
      • Lisinopril
      • Enalapril
      • Ramipril

    Die Angiotensin-II-Rezeptoren der kleinen Arterien (Arteriolen) werden von AT1-Blockern gehemmt. AT1, weil bevorzugt der Rezeptor-Subtyp 1 gehemmt wird. Dieser ist hauptsächlich für die Gefäßverengung verantwortlich. Ein weitere Effekt von der AT1-Hemmung ist, eine erhöhte Wasserausscheidung der Niere, wodurch das Blutvolumen sinkt. Für die Verringerung der Blutdrucks sorgen beide Effekte.

    • Bekannte AT1-Antagonisten

      Darutner verstehen sich Sartane, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, AT1-Blocker oder auch -antagonisten.

      Bekannte Sartane sind:

      • Candesartan
      • Irbesartan
      • Valsartan
      • Losartan
      • Telmisartan

       

    PDE-5-Hemmer trotz Blutdrucksenker?

    Die gute Nachricht: Eine erektile Dysfunktion lässt sich mit PDE-5-Hemmern auch mit Bluthochdruck gut behandeln.

    Zwar verursachen die PDE-5-Hemmer auch einen blutdrucksenkenden Effekt, allerdings in geringer Intensität. Nur bei sehr hohen Blutdurck sollte die Einnahme streng kontrolliert werden. Auch bei niedrigen Blutdruck muss der Arzt genauere Untersuchungen vornehmen. Vorsicht ist auch in Kombination mit Alpha-1-Rezeptorenblockern angebracht, da dabei ein sehr starker Blutdruckverlust entstehen kann. 4 6 10

    1. Kommentar zu den Leitlinien (2018) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) für das Management der arteriellen Hypertonie © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 – hochdruckliga.de
    2. Management der arteriellen Hypertonie – ESC/ESH Pocket Guidelines European Society of Cardiology (ESC) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) – Verlag Börm Bruckmeier Verlag GmbH 978-3-89862-986-7 – hochdruckliga.de
    3. 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension: The Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Society of Hypertension (ESH) European Heart Journal, Volume 39, Issue 33, 01 September 2018, Pages 3021–3104 – academic.oup.com
    4. Curr Opin Cardiol. 2015 Jul;30(4):383-90 – Antihypertensive therapy causes erectile dysfunction. – Chrysant SG – University of Oklahoma College of Medicine, Oklahoma City, Oklahoma, USA.rectile dysfunction. – ncbi
    5. Curr Cardiol Rep. 2017 Aug 24;19(9):89. Evaluation and Management of Erectile Dysfunction in the Hypertensive Patient. Patel JP, Lee EH, Mena-Hurtado CI, Walker CN. - ncbi
    6. Erectile dysfunction and hypertension R Kloner International Journal of Impotence Research volume 19, pages296–302(2007) – nature.com
    7. Erectile Dysfunction in Hypertension and Cardiovascular Disease pp 175-184| Cite as Antihypertensive Drug Therapy and Erectile Dysfunction – link.springer.com
    8. Int J Cardiol. 2013 Oct 9;168(4):3572-9. Epub 2013 Jun 21. Systematic review of genuine versus spurious side-effects of beta-blockers in heart failure using placebo control: recommendations for patient information. Barron AJ, Zaman N, Cole GD, Wensel R, Okonko DO, Francis DP. – ncbi
    9. Blutdrucksenker und Erektionsstörungen Privatdozent Dr. med. Magnus Baumhäkel und Professor Dr. med. Michael Böhm – hochdruckliga.de
    10. Journal für Hypertonie – Böhm M, Baumann G, Burkart M. Sildenafil wird auch von Patienten mit einer erektilen Dysfunktion und einer Mehrfachmedikation bei bestehender arterieller Hypertonie gut toleriert Journal für Hypertonie - Austrian Journal of Hypertension 2004; 8 (3), 17-19 – kup.at
    11. Bluthochdruck Medikamente - blutdruckdaten.de
    12. Wie wirken aktuelle Blutdrucksenker? hochdruckliga.de

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