Autor: Michael Rothenberg & Kerstin Voigt
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 20. April 2020

Hormone: Antiandrogene & Anabolika

Wirkstoffe die auf Hormone wirken, können in einigen Fällen Erektionsstörungen verursachen.

Antiandrogene sind Medikamente, die die Testosteron-Produktion drosseln oder blockieren. Dadurch wird die Lust auf Sex verringert und Erektionsstörungen werden begünstigt.

Doch auch Anabolika, welche künstliches Testosteron enthalten, sorgen dazu das der Körper die Eigenproduktion von Testosteron eingestellt wird. Dies führt besonders nach dem absetzen der Stoffe zu sexuellen Problemen.

Insbesondere Medikamente die bei Prostataleiden und Prostatakrebs eingesetzt werden, sind für deren Antiandrogene Wirkung bekannt.

Darunter fallen folgende Wirkstoffe:

  • Cyproteron
  • Dutasterid
  • Finasterid
  • Tamsulosin

Doch auch Medikamente gegen Akne oder Haarausfall bei Männern, fallen häufig in die Kategorie der Antiandrogene und können Erektionsstörungen begünstigen. 

Die bekanntesten Anabolika sind ASS (anabol-androgene Steroide). Darunter verstehen sich Substanzen, deren chemische Struktur der des Testosteron ähnelt. Ab einer gewissen Dosis wird die Spermienbildung gedrosselt, was zur Unfruchtbarkeit führen kann. Auch Erektionsstörungen sind keine Seltenheit, insbesondere dann, wenn die Stoffe wieder abgesetzt werden. 

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Nicolas Orallo / shutterstock.com
Übersicht:
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    Anwendungsgebiete von Antiandrogenen

    Antiandrogene haben zahlreiche Anwendungsgebiete. Die Wirkstoffe werden dort eingesetzt wo durch Testosteron und 5-alpha-Dihydrotestosteron Krankheiten bzw. Störungen verursacht werden.

    Die häufigsten Anwendungsgebiete beim Mann sind: 

    • Prostatakrebs

      Bis vor einiger Zeit war die Wahrscheinlichkeit von erektiler Dysfunktion bei einer operativen Behandlung von Prostatakrebs noch bei nahezu 100%. Dies hing mit einer häufigen Verletzung der Nervenfasern zusammen. Seit dem die nervenschonenden radikale Prostatektomie (RPE) eingeführt worden ist, lies sich diese Rate deutlich sinken. 

      Nichtsdestotrotz bleiben Erektionsstörungen nach Krebsoperationen ein häufiges Problem. Denn je nach Tumorausdehnung und angewendeter Operationstechnik, leiden selbst heute noch 20 bis 80 von 100 behandelnden Männern an anschließenden Erektionsstörungen. 

      Auch eine Strahlentherapie spielt bei der möglichen Ursachen einer erektilen Dysfunktion eine große Rolle. Hierbei leiden etwa 26 bis 60 von 100 Männern anschließend an einer Erektionsstörung.

      Bekannte Wirkstoffe: Abirateron, Apalutamid, Enzalutamid, Bicalutamid, Flutamid & Cyproteron.

    • Prostatavergrößerung (gutartig)

      Antiandrogene die bei Prostataleiden eingesetzt werden, versuchen eine verminderte Libido und häufig damit auch Erektionsstörungen.

      Der bekannteste Wirkstoff der bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata verschieben wird, nennt sich Finasterid. Der Wirkstoff ist auch häufig unter dem Handelsnamen Propecia bekannt.

    • Haarausfall

      Antiandrogene werden auch gegen Haarausfall bei Männern (androgenetische Alopezie) verschrieben. Auch hier ist wieder der Wirkstoff Finasterid das häufigste Mittel der Wahl. 

      Ebenfalls eingesetzt werden kann 17-alpha-Estradiol.

    • Krankhafter Sexualtrieb

      Antiandrogene können auch bei krankhaften männlichen Sexualtrieb eingesetzt werden. Die Folge einer verminderten Lust auf Sex und damit einhergehende Erektionsstörungen sind dann allerdings bewusst gewählt. Hierbei wird häufig Cyproteron verschrieben. 

      Auch bei einer zu frühen Entwicklung der äußeren Geschlechtsmerkmale vor dem erreichen des achten Lebensjahres, kann mit Antiandrogenen wie Cyproteron entgegenwirkt werden. 

    Auch wenn Antiandrogene bei Akne eingesetzt werden können, findet dieses Anwendungsgebiet bei Männern sehr selten statt. Für Männer werden bei Akne häufiger Antibiotika oder Retinoide verschrieben. 

    Post-Finasterid-Syndrom

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    StudioMolekuul / shutterstock.com

    Die Nebenwirkungen von Finasterid sind soweit erforscht das hierfür ein Symptomkomplex bekannt ist. Das "Post-Finasterid-Syndrom" (PFS).11

    Das Post-Finasterid-Syndrom bezeichnet die anhaltenden sexuellen, neurologischen, mentalen und physischen Nebenwirkungen der Verwendung von Finasterid.

    Die Störungen treten nach dem Absetzen des Wirkstoffs auf und können in manchen Fällen sogar permanent bestehen bleiben. Schon nach einer Einnahmedauer nach über 10 Tagen können die Symptome erzeugt werden.

     Die bekanntesten Symptome von PFS sind: 

    • verminderte Libido

    • verminderte Reaktion auf sexuelle Reize

    • Impotenz

    • verminderte Spermamenge

    • Penisschrumpfung

    • Hodenschmerzen

    • Hodenschrumpfung

    • Gynäkomastie

    • Schlafstörungen

    Was sind Anabolika und „Kuren“?

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    Bangkoker / shutterstock.com

    Wer Anabolika nimmt, sollte im Hinterkopf haben, dass eventuelle Potenzstörungen darauf zurückgehen können.

    Darunter fallen alle „anabolen“ Substanzen, die bekanntlich dazu beitragen, dass die Muskulatur aufgebaut wird und Fett abgebaut wird. Nicht nur beim gezielten Doping im Leistungssport ist das ein wichtiges Thema, sondern auch im Freizeitsport, wo mit diversen Mitteln experimentiert wird.

    Da eine Menge Substanzen als Anabolika dienen, wird es schnell unübersichtlich. Prinzipiell ist Vorsicht geboten bei allen nicht legal erhältlichen Mitteln. Denn neben Impotenz können sie auch andere gefährliche Erkrankungen verursachen. Bei offiziell zugelassenen Mitteln, für die ein Rezept nötig ist, sind mögliche Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel zu finden.

    Anabolika: Ein Überblick

    Am bekanntesten sind die anabol-androgenen Steroide, kurz: AAS. Da diese Präparate das Wort „Testosteron“ in sich tragen, sind sie leicht zu erkennen. Neben den ASS gibt es auch vollsynthetische Steroide. Wir listen jetzt die bekanntesten auf.

    Testosteronpräparate:

    • Testosteroncypionat
    • Testosteronenanthat
    • Testosterondecanoat
    • Testosteronphenylpropionat
    • Testosteronisocaproat
    • Testosteronpropionat
    • Dehydrochlormethyltestosteron

    Vollsynthetische Steroide:

    • Nandrolon
    • Furazabol
    • Oralturinabol
    • Metandienon
    • Metenolon
    • Trenbolon
    • Stanozolol

    Auch Clenbuterol, EPO, STH, IGF-1 + Insulin, Andarine und Ostarine sind anabolisch. Da sich die wenigsten Sportler mit diesen Begriffen auskennen, ist es wichtig zu wissen, dass die verschiedenen Wirkstoffe recht unterschiedliche Wirkungsweisen haben.

    Neben den positiven Begleiterscheinungen sind auch immer ungünstige Nebenwirkungen möglich. Hier sollte genau abgewogen werden, denn die Wirkstoffe machen nicht nur „männlicher“, sondern wirken sich auch in anderer Weise auf den gesamten Körper aus.

    Eine Anabolika-Kur hat normalerweise eine Dauer von etwa fünf Monaten, woraufhin eine Pause wichtig ist. Es gibt jedoch Männer, die eine deutlich längere Dauer ausprobieren, weil sie sich davon doppelten Nutzen versprechen bzw. irgendwann süchtig werden. So ist auch die psychische Komponente nicht zu unterschätzen.

    Wie sich Anabolika auf die Sexualität auswirken

    Wenn Anabolika nicht gerade vom Arzt empfohlen werden, weil es dafür medizinische Gründe gibt, ist die Wirkung auf die Sexualität in den meisten Fällen negativ.

    Lediglich Männer, die bewiesenermaßen unter einem Mangel an Testosteron leiden, profitieren logischerweise davon. Gesunde Männer bemerken oft nicht nur (entweder recht bald oder etwas später) ein vermindertes Interesse an sexueller Betätigung, sondern können sogar unfruchtbar werden. Selbst wenn dies nicht während der Anabolika-Kur auffällt, kann die unerwünschte Wirkung nachträglich eintreten.

    Neben einer abnehmenden Samenzellbildung können sich die männlichen Brustdrüsen vergrößern und die Hoden schrumpfen. Dies sind wohl die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen. Impotenz ist ebenso möglich wie eine verminderte oder versiegende Fruchtbarkeit. Hautprobleme wie Haarausfall oder Akne sind dagegen noch eher harmloser Natur. Aber auch die Psyche kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Vermehrte Aggressionen und auch Depressionen sind keine Seltenheit.

    Besonders Männer, die über einen längeren Zeitraum Anabolika-Mittel einnehmen, haben ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen.4

    Folgende Folgeerkrankungen sind bekannt:

    • Erhöhte Blutfettwerte

    • Bluthochdruck

    • Schlaganfall

    • Herzinfarkt

    • verminderte Herzleistung

    • Lebervergiftung

    • Nierenversagen

    • Tumore der Prostata, Leber und Niere

    Beschwerden oft erst nach dem Absetzen

    Auch wenn sich bei der Anabolika-Einnahme schnell positive Folgen abzeichnen, so haben Männer die meisten Beschwerden oft erst zum Ende der Kur oder danach. Das ist umso schlimmer, denn die Folgen für den Körper lassen sich nicht immer rückgängig machen. Denn sobald Anabolika eingenommen werden, produziert der Körper weniger eigenes Testosteron, was ganz normal ist.1

    Somit kommen die natürlichen Funktionen langsam aus dem Rhythmus, besonders die Hoden schrumpfen und stellen irgendwann ihre Arbeit ein.

    Je länger Anabolika bzw. Testosteron genommen wird, desto weniger produziert der Körper das grundliegende männliche Hormon. Aus diesem Grund kommt es so häufig zu Erektionsstörungen oder auch anhaltender Impotenz bei oder nach einer Anabolika-Kur.

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    H_Ko / shutterstock.com

    Gibt es Hoffnung bei Impotenz durch Anabolika?

    In vielen Fällen ist einfach Geduld gefragt, bis sich der Körper nach dem Absetzen der Anabolika wieder regeneriert. Manchmal dauert es bis zu einem halben Jahr, bis wieder ausreichend Spermien produziert werden.

    Leider gibt es aber Fälle, wo der Missbrauch dauerhafte Folgen für die Gesundheit hat. Das ist bei etwa einem Drittel der Männer der Fall, die es mit der Anabolika-Einnahme übertrieben haben. Inwieweit möglicherweise auch unreine Substanzen in illegal verkauften Mitteln schuld daran haben, dazu gibt es leider keine Studien.

    Männer, die aufgrund von Impotenz durch Anabolika wiederum zu Potenzmittel (PDE-5-Hemmer) wie Viagra greifen möchten, sollten sich besser vorher vom Arzt untersuchen lassen.7

    Denn diese Mittel haben genauso Nebenwirkungen, die umso gefährlicher sein können, wenn Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Herz- oder Nierenschäden oder erhöhte Blutfettwerte vorliegen. Im Anfangsstadium sind diese Krankheiten nicht immer zu bemerken, können aber durch eine Anabolika-Einnahme entstanden und riskant sein.8

    1. Impact of anabolic androgenic steroids on sexual function Joseph Matthew Armstrong, Ross A. Avant and Landon W. Trost – ncbi.nlm.nih.gov
    2. Effects of Anabolic Androgenic Steroids on the Reproductive System of Athletes and Recreational Users: A Systematic Review and Meta-Analysis.– Sports Medicine September 2017, Volume 47, Issue 9, pp 1869–1883| –  doi.org
    3. Substance Abuse and Male Hypogonadism Ylenia Duca, Antonio Aversa, [...], and Sandro La Vignera – ncbi.nlm.nih.gov
    4. Doping – Anabolika – gesundheits-lexikon.com/Therapie/Arzneimittel-Naturheilmittel/Doping-Anabolika.html
    5. MECHANISMS IN ENDOCRINOLOGY: Medical consequences of doping with anabolic androgenic steroids: effects on reproductive functions in European Journal of Endocrinology Authors: Eberhard Nieschlag and Elena Vorona – doi.org
    6. Former Abusers of Anabolic Androgenic Steroids Exhibit Decreased Testosterone Levels and Hypogonadal Symptoms Years after Cessation: A Case-Control Study –Published: August 17, 2016 –  doi.org
    7. Polypharmacy among anabolic-androgenic steroid users: a descriptive metasynthesis – substanceabusepolicy.biomedcentral.com
    8. Taking Steroids and Viagra: Is It Safe? – healthline.com
    9. U.S. Drug Enforcement Administration Staff. (2018). Anabolic steroids.
      deadiversion.usdoj.gov
    10. Prostatakrebs überstanden – was kommt jetzt? krebsgesellschaft.de – dkg-web.gmbh (Hrsg.): Patientenratgeber Prostatakrebs (2014)
    11. Post-Finasterid-Syndrom – Wikipedia
    12. Herbert Kuhl, Inka Wiegratz: Das Post-Finasterid-Syndrom. Springer Nature Switzerland AG, 10. April 2017
    13. Abdulmaged M. Traish, Roberto Cosimo Melcangi, Marco Bortolato, Luis M. Garcia-Segura, Michael Zitzmann, in: Review of Endocrines & Metabolic Disorders (2015) 16: 177. doi
    14. Antiandrogene – onmeda.de
     

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