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Autor: Kerstin Voigt, Medizinredakteurin
Überprüft von: Dr. med. Johannes von Büren
Aktualisiert: 20. April 2020

PRP – Eigenblut gegen erektile Dysfunktion

Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch speziell aufbereitetes, eigenes Blutplasma ist schon lange bekannt. Diese Methode ist in vielen (alternativ)-medizinischen Bereichen innerhalb der Orthopädie und Sportmedizin sowie bei Problemen mit den Haaren oder der Haut sehr beliebt und erfolgreich.

Aufgrund der risikoarmen Regeneration mit Zellen aus dem Eigenblut wird sie als Aktivierungstherapie sehr gerne eingesetzt. – Basierend auf diesen Erkenntnissen wird sie nun auch am Penis mit Erektionsproblemen angewandt. Aber ist diese Therapie auch hier erfolgreich?

PRP-Eigenbluttherapie
Roman Zaiets / shutterstock.com
Übersicht:
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    Was ist unter der PRP-Eigenbluttherapie zu verstehen?

    • PRP bedeutet platelet-rich plasma, also plättchenreiches Plasma. Es wird auch von sogenannten „P-Shots“ gesprochen.

    Manches Mal wird auch die Bezeichnung ACP verwendet. Das bedeutet autologes(körpereigenes) konditioniertes (angereichertes) Plasma. Die Bezeichnung ist jedoch zweideutig. Darunter wird auch eine andersartige Aufbereitung des Eigenblutes verstanden. Dabei handelt es sich um eine regenerative Therapie, die der Alternativmedizin zugeordnet wird.

    Wie entsteht aus dem eigenen Blut eine PRP-Therapie?

    Der Mediziner gewinnt durch die Entnahme venösen Blutes eines Patienten plättchenreiches Plasma. Zunächst einmal stoppt er die Blutgerinnung. Durch ein zentrifugales Spezialtrennverfahren werden alle Zellanteile, außer den Blutplättchen (Thrombozyten), herausgelöst. Dieser Vorgang wird Plasmapharese genannt. Anschließend wird ein extrem plättchenreiches Konzentrat, das PRP, daraus hergestellt.

    Gerade diese Blutzellen aktivieren besondere Heilkräfte. Dem Patienten wird sodann sein aufbereitetes Eigenplasma in die Muskulatur gespritzt.

    P-Shots am Penis: die Behandlung

    Die Blutentnahme wird an einer üblichen Stelle, wie zum Beispiel Armbeuge, durchgeführt. Während der Anreicherung des Blutes muss der Patient ca. eine halbe bis eine Stunde warten.

    Anschließend wird dem Kandidaten eine leichte Lokalanästhesie verabreicht. An mehreren Stellen werden sodann Injektionen gesetzt. Diese reichen vom Schwellkörper über diverse Stellen entlang des Penisschaftes bis hin zur Eichel.

    Der Arzt wiederholt diese Behandlungen mehrere Male. Wie lange und wie viele Male diese notwendig sind, gibt es keine einheitlichen Angaben. Ist aber auch verständlich, da jeder Mensch anders reagiert bzw. andere Vorgeschichten hat. Der Durchschnitt liegt meistens bei zweimaliger Wiederholung. Es kann aber durchaus auch einige Wochen dauern, bis eine spürbare Wirkung eintritt.

    Studien belegen, dass die Behandlungen in 3 Sitzungen über 3 Wochen verteilt erfolgreich sind. Die signifikante Verbesserung der erektilen Dysfunktion hält bis zu 6 Monaten an.5

    Blutplättchen, die wundersame Waffe bei organischer ED

    Die Thrombozyten im Blut sind für die schnelle Gerinnungsreaktion bei Gefäßverletzungen verantwortlich. Es handelt sich dabei nicht um die Thrombozyten im Gewebe.

    Diese setzen sich rasch am Problemort fest (Adhäsion). Nach dem Wechsel in den aktivierten Modus verkleben sie miteinander (Aggregation) zu einem Gerinnsel. Dieses wird Blutpfropf oder Thrombus genannt. Dabei senden sie eine Vielzahl von Botenstoffen aus. Blutplättchen gelten als Ersthelfer im Falle eines Blutgefäßschadens.
    Hingegen wird das Eigenblut oder Teile davon zunächst als Entzündungsreiz wahrgenommen. Das Immunsystem wird auf den Plan gerufen. Somit gilt das als sicheres Zeichen, dass das da nicht hingehört.

    Die hohen Gehalte an Proteinen und besonderen Wachstumsfaktoren sind letztendlich entscheidend für die gewünschte Wirkung. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die bestimmte Prozesse auslösen. Dadurch kommt es zu einer schnellen Zellneubildung mit Stammzellen in verschiedenen Vorstufen.

    Folgende Wachstumsfaktoren sind besonders für die erfolgreiche Behandlung bei erektiler Dysfunktion verantwortlich:

    • PDGF-AA, PDGF-BB

      (platelet derived growth factor AA, BB) werden von Thrombozyten produziert.
      Sie fördern generell Prozesse zur Neubildung von Zellen.

    • FGF-1, FGF-2

      (fibroblast growth factor basic, acid) regeln die Neubildung von Blutgefäßen
      (Angiogenese), Fibroblasten und glatter Muskulatur.

    • VEGF-D

      (vascular endothelial growth factor) regt die Neubildung von Lymph- und
      Blutgefäßen an.

    • VEGF

      (vascular endothelial growth factor) regt die Endothelzell-Proliferation
      und Migration an (Regeneration von Gefäßendothel - Innenwandzellschicht).

    Zu Angaben, dass die Behandlung die Nervenregeneration anregt, existieren leider keine konkreten Beweise.

    Welche Nachteile birgt die PRP-Eigenbluttherapie?

    Etwas Körpereigenes kann ja nicht schaden, stimmt größtenteils. Autoimmunerkrankungen sprechen jedoch für viele Betroffene eine andere Sprache. Für die meisten Menschen ist diese Art der Therapie allerdings gut verträglich.

    Gesunde Skepsis ist aber trotz aller positiver Erfahrungen, zum Beispiel in der Sportmedizin, etc. angebracht.

    Bisher existieren über die Behandlung der ED weder wissenschaftliche Beweise für die Unbedenklichkeit noch Wirksamkeit. Darüber hinaus fehlt ein Nutzen-Risiko-Profil, das auf Evidenzen basiert. Allerdings besteht Einigkeit, dass sich die Forschung derzeit im diesbezüglichen Experimentalstadium befindet.

    Darüber hinaus existiert eine recht lange Liste an Kontraindikationen der PRP-Therapie für viele Körperbereiche. Deshalb ist Vorsicht geboten!

    Kontraindikationen:

    • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

    • Schilddrüsenüberfunktion

    • immunsuppressive Therapie (Kortikoide)

    • Thrombose

    • akute Blutungen

    • Einnahme antikoagulativer Therapien (nach einem Herzinfarkt: ASS, Clopidogrel)

    • schwere Leber- oder Nierenerkrankungen

    • Störungen der Blutgerinnung

    • Einnahme von Gerinnungshemmern (z. B. Marcumar®)

    • Erkrankungen der Leukozyten (chronische Leukämie)

    Wenn alle anderen Optionen versagt haben oder nicht infrage kommen, ist die PRP-Therapie trotzdem zu empfehlen. Bei Autoimmunerkrankungen ist allerdings Vorsicht geboten. Deshalb ist es äußerst wichtig, dem behandelnden Arzt ausführlich zu informieren. Die Gesundheit steht an erster Stelle.

    Dazu kommt noch, dass jeder Mensch anders reagiert. Kontraindikationen oder Vorerkrankungen müssen unbedingt genannt werden. Die Zahl der Urologen, die in urologischen Zentren und Praxen P-Shots erfolgreich anbieten, steigt kontinuierlich.

    Alternativen:

    Da die Eigenblut Behandlung nur in sehr seltenen Fällen angeboten werden kann, gelten Potenzmittel (PDE-5-Hemmer) aktuell noch als die häufigste und erfolgreichste Behandlung von erektiler Dysfunktion. Unter den beliebtesten Potenzmittel ist Viagra (Sildenafil) oder auch Cialis (Tadalafil). Um diese Potenzmittel kaufen zu dürfen, wird allerdings ein Rezept vom Arzt benötigt.

    1. Platelet-Rich Plasma and Treatment of Erectile Dysfunction: Critical Review of Literature and Global Trends in Platelet-Rich Plasma Clinics. – ncbi.nlm.nih.gov
    2. Platelet-Rich Plasma Therapy for Male Sexual Dysfunction: Myth or Reality? –  ncbi.nlm.nih.gov
    3. Investigation of mechanisms of action of growth factors of autologous platelet-rich plasma used to treat erectile dysfunction.  ncbi.nlm.nih.gov
    4. A Solution to Erectile Dysfunction: It's in Your Blood –  columbusantiaging.com
    5. 286 Efficacy of autologous platelet-rich plasma for the treatment of erectile dysfunction – sm.jsexmed.org
    6. SMSNA - SMSNA Position Statement on Restorative Therapies for ED – smsna.org
     

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